Willkommen in der Referenzhölle, wo Redaktionsteufel und Journalismusdämonen damit beschäftigt sind, Platten zu hören und zu sagen wie sie klingen. Während ein Beelzebub nach einer Band verlangt, die sich wie Sonic Youth anhört, aber nicht Sonic Youth heißt, rollt der Praktikant Sisyphos mehrere Beatles-Platten einen Berg hoch, um sie aus dem Sichtfeld der Anwesenden zu schaffen. Gelingen tut ihm das nicht. Immer wieder rollen sie runter, und wie Geier stürzt sich die referenzgeile Meute auf das schwarze Vinyl. Inmitten dieser Hölle sitze ich kleines Teufelchen und höre nun eine Platte des iXiXeS-Labels. Leichte Aufgabe, denke ich, ist diese Plattenschmiede doch für countryeske Werke bekannt. Und tatsächlich, nur ein Banjo fängt an zu spielen. Ich reibe meine Fäustchen und scharre mit meinem behuften Fuß, doch dann, dann passiert es. Die Stimme erhebt sich, die Gitarre schmettert los, und es klingt nach... Oasis! In gut! Eine großartige Hymne schallt mir entgegen. Und so geht es weiter, die Vergleiche fließen nur so durchs Hirn: Hier Calexico, da R.E.M., dann Lhasa oder Element Of Crime. Die Liste ließe sich fortsetzen, aber es wäre ungerecht - obwohl wir ja so sind in der Hölle: ungerecht -, denn irgendwie passt die Platte hier nicht hin. Eher an die Oberwelt, wo man sie hören soll und sagen kann:"Acadian Post, die machen was ganz Eigenes!" Etwas Eigenes mit wunderbaren Bläserarrangements und Liedern über zusammen und alleine sein. Nichts für die Hölle.

Daniel Decker